Kirchenführer

Schon früh stand auf dem Platz unserer heutigen Kirche ein romanischer Kirchenbau. Dieser ist im Jahr 1167 in einem Kirchenbuch des Klosters Ottobeuren erwähnt. Darin steht, dass Abt Isingrim den beiden Kirchen in Erkheim Reliquien schenkte.

Im Jahre 1433 erfolgte der Um- bzw. Neubau im gotischen Stil unter Einbeziehung von Elementen des romanischen Kirchenbaus.

Bei der 1983 erfolgten Restaurierung wurden Mauern mit romanischen Rundbogenfenstern wiederentdeckt und zum Teil freigelegt. Aus dieser Epoche stammt auch das Fundament aus Tuffmauerquaderwerk an der Südseite des Kirchenschiffes und am Turm.

Von der ursprünglich gotischen Inneneinrichtung ist noch das geschnitzte Chorgestühl vorhanden. Hier finden sich auch alle Kennzeichen der Gotik: Spitzbögen, schlanke Säulen, Maßwerk und Kreuzblumen.

Der jetzige neugotische Altar wurde 1867 in unserer Kirche aufgestellt und wird von Fachleuten als Meisterwerk des 19. Jahrhunderts bezeichnet. Merkwürdigerweise findet sich nirgends eine Aufzeichnung, auch nicht in den Kirchenstiftsrechnungen, über seine Anschaffung.

Im Mittelteil geschnitztes Kruzifix und rechts und links Holzfiguren der Namenspatronen.

Auf der linken Seite der Apostel Petrus mit Bibel und Schlüssel, auf der rechten Seite der Apostel Paulus mit Bibel und Schwert.

Unter dem Kreuz befindet sich ein Lindenholzrelief, das Jesus und seine Jünger beim Abendmahl darstellt.

Im Chorraum befinden sich zwei Epitaphe (Grabmale). Die eine Grabplatte zeigt den Pfr. Johannes Lingg im Ornat mit einem Kelch in der Hand. Er ist 1474 gestorben und war vielleicht der erste Pfarrer, der in dieser Kirche amtierte.

Das Grabmal für Johann Wilhelm Dettighofen kam 1630 in die Kirche, während sie katholisch war. Dettighofen bemühte sich zeit seines Lebens ganz Erkheim wieder der katholischen Lehre zuzuführen und nun liegt er in einer evangelischen Kirche begraben.

Der Taufstein, wurde 1777 angefertigt, im Rokokostil aus poliertem Tiroler Marmor, vierseitig, auf gebauchtem Pfeiler, glockenförmiges Becken mit etwas Muschelwerk. Er hatte ursprünglich einen Deckel aus Nussbaumholz.

Die Kanzel aus Nussbaum kam auch 1777 in die Kirche und wurde 1863 renoviert. Auf dem nachträglich eingefügten Pfeiler polygonaler Korb mit kräftigem Sockelprofil. Gliederung durch Dreiviertelsäulen und in den Feldern Kröpfrahmen und flache Nischen. Den Kanzeldeckel ziert der auferstandene Christus.

Handelt es sich bei dieser Sitzgelegenheit um einen Pfarrersitz, einen offenen Beichtstuhl oder einen Betstuhl? Darüber streiten sich die Gelehrten. Ebenfalls aus Nussbaum mit verschiedenen Hölzern, wahrscheinlich um 1700.

An den Wangen Akanthusschnitzerei, Dorsal (Rückwand) mit kräftigem Rahmenprofil und flacher Nische, Gebälkbekrönung.

An der schmalen Ostwand gegen den Chor hängt ein 2,5 Meter hohes, farbig gefasstes Holzkruzifix, das 1698 von Ulrich Peppel gestiftet und 1866 renoviert wurde. Ulrich Peppel war Gastwirt „ad coronam auream ( bei der goldenen Krone)“ und ist 1711 gestorben.

An der Südwand zum Turm hängt ein Ölgemälde auf dem die Auferweckung des Lazarus dargestellt ist, wahrscheinlich Anfang 17. Jahrhundert. Es könnte von Gabriel Dreher, geb. 1589, gestorben 1636, stammen, der in Hechingen, Ottobeuren und Atmont wirkte.

Über das Pfarrerbildnis an der Nordwand ist nichts bekannt. Es trägt die Aufschrift F. Küchlin pinx. 1822 (pinx. = gemalt).

Pfarrer Gottlieb Mundle schrieb 1912 in seiner Pfarrbeschreibung..... und – last not least – das Storchennest auf dem Turm, das die Gemeinde seit 1897 erfreut.